72. Plenarsitzung in Paris
72. Plenarsitzung des Deutsch-Französischen Kulturrats in Paris, 7. Oktober 2026: Die kulturelle Zusammenarbeit im Zeitalter der künstlichen Intelligenz (KI) und des Medienwandels


Der Deutsch-Französische Kulturrat (DFKR) hat seine 72. Plenarsitzung im französischen Kulturministerium abgehalten. Im Anschluss an die vorangegangene Sitzung vom 18. Mai 2026 standen vor allem drei Themen im Mittelpunkt: das Urheberrecht im Zeitalter der künstlichen Intelligenz (KI), die Überarbeitung der AVMD-Richtlinie und die Umsetzung des europäischen demokratischen Schutzschilds im Rahmen des Projekts zur Europäisierung von ARTE. Ebenfalls auf der Tagesordnung standen der „Sommet Lumière“ sowie die deutsch-französische Zusammenarbeit im Filmbereich anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der deutsch-französischen Koproduktionen (Minitraité). Die Beratungen knüpften an die Schlussfolgerungen des Deutsch-Französischen Ministerrats an, der am 16. und 17. Juli 2026 in Brühl stattgefunden hatte.
Die Plenarsitzung wurde vom Generalsekretär des Kulturministeriums, Jérôme Rivoisy, eröffnet. Catherine Trautmann nutzte die Gelegenheit, um das Ende ihrer Amtszeit als französische Ko-Vorsitzende des DFKR anzukündigen. Damit schließt sie acht Jahre Engagement an der Spitze des Rates ab.
Zu Beginn hielt Mariya Gabriel, stellvertretende Generaldirektorin der UNESCO für Kommunikation und Information, einen Eröffnungsvortrag über die internationalen Herausforderungen der künstlichen Intelligenz und die Maßnahmen der UNESCO in diesem Bereich.
Die erste Podiumsdiskussion widmete sich den urheberrechtlichen Fragen beim Einsatz generativer KI. Der Europaabgeordnete Axel Voss, Prof. Alexandra Bensamoun, Jean-Philippe Mochon, Präsident des Obersten Rates für literarisches und künstlerisches Eigentum, sowie Dr. Christian Meyer-Seitz, Abteilungsleiter im Bundesjustizministerium, beleuchteten die unterschiedlichen Ansätze in Frankreich und Deutschland. Sie sprachen außerdem über die Herausforderungen bei der nationalen Umsetzung der europäischen Vorschriften und über die nächsten Schritte der Europäischen Kommission.
Auf Impuls von Frau Marie Sellier hat sich der DFKR gemeinsam mit der Frage der „europäischen kulturellen Souveränität“ auseinandergesetzt, und wie diese angesichts des zunehmenden wirtschaftlichen Wettbewerbs sowie ausländischer Einflussnahme besser verwirklicht werden kann. Die Auseinandersetzung mit der Ambivalenz dieses Begriffs und den politischen Missverständnissen, die er hervorrufen kann, veranlasst den DFKR, sich eine vertiefte Behandlung der Thematik vorzunehmen. Die Europäische Kommission hat zu diesem Austausch beigetragen, indem sie ihre derzeitigen Instrumente und Arbeitsmethoden vorgestellt hat.
„Ich bin der Meinung, dass der DFKR die Verwendung von mehrdeutigen Begriffen nicht empfehlen kann, die unterschiedlich ausgelegt oder rechtlich und politisch instrumentalisiert werden könnten. Wir haben einen Kampf zu führen: den Kampf um die Wahrung der menschlichen Dimension und die Gewährleistung des Vorrangs der menschlichen Intelligenz gegenüber der Maschine. Dieses Ziel geht über die reine Frage der Souveränität hinaus: Es betrifft auch Autorität und Macht.“
Catherine Trautmann, Ko-Präsidentin des DFKR
Der DFKR bekräftigte seine Unterstützung für die europäischen Ambitionen von ARTE, dem symbolträchtigen deutsch-französischen Sender. Louis Renault, Generalsekretär von ARTE, und die Abgeordnete Brigitte Klinkert, Mitglied der Deutsch-Französischen Parlamentarischen Versammlung, stellten die Fortschritte dieses von der Europäischen Kommission unterstützten Programms vor. Es soll den Zugang zu hochwertigen, pluralistischen kulturellen Inhalten in 24 EU-Sprachen und Ukrainisch ermöglichen.
Auch der Film und das Kino waren Gegenstand eines intensiven Austauschs. Der Kulturrat beriet darüber, wie die Dynamik unterstützt werden kann, die das Centre national du cinéma et de l’image animée (CNC) angestoßen hat. Das CNC hatte am 7. September 2026 in Paris den ersten „Sommet Lumière“ mit mehr als 200 Teilnehmern aus 60 Ländern veranstaltet, um die internationale Zusammenarbeit angesichts des tiefgreifenden Wandels der Branche, insbesondere durch KI, zu stärken. Dieses Gipfeltreffen, das gemeinsam von Emmanuel Macron und dem südkoreanischen Präsidenten Lee Jae-Myung geleitet wurde, mündete in die „Lumière-Erklärung“, die von fast 130 Unterzeichnern unterzeichnet wurde.
In diesem Zusammenhang zog der DFKR-Bilanz über die Erfolge der deutsch-französischen Koproduktionen (Minitraité) der in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen feiert. Der Kulturrat erörterte, wie sich dieser an den Wandel der Branche anpassen lässt, und forderte eine Stärkung der deutsch-französischen Koproduktionen der Zukunft. Das CNC, das auch im Namen der deutschen Filmförderungsanstalt (FFA) sprach, stellte die Bilanz und die jüngsten Entwicklungen des Programms vor, das heute mit jährlich 3,2 Millionen Euro ausgestattet ist.
Zum Abschluss der Sitzung wurden die vom DFKR geplanten Arbeitsschwerpunkte vorgestellt.
Dazu gehört eine bessere Erfassung deutsch-französischer Kulturinstitutionen und -veranstaltungen. Sie soll die Vernetzung erleichtern, die Sichtbarkeit dieses Ökosystems erhöhen und die Rollen der einzelnen Institutionen klarer fassen.
„Die heutige Diskussion hat verdeutlicht, wie wichtig es ist, sich zu vergegenwärtigen, dass das kulturelle Schaffen mehrdimensional ist und die zu berücksichtigenden Rahmenbedingungen quer durch die unterschiedlichen Kulturtechniken und Teilbranchen von der kommunalen Förderung bis zum Europäischen Rechtsrahmen reichen. Diese Tour d’Horizon war ein perfektes Feuerwerk für die letzte Sitzung gemeinsam mit Catherine Trautmann als Ko-Präsidentin. Ihr gebührt großer Dank für Ihre Energie und die unzähligen inhaltlichen kulturpolitischen Akzente und Impulse über die letzten Jahre. Dank ihrer Hilfe ist es gelungen, den Deutsch-Französischen Kulturrat wieder fest auf der Landkarte der deutsch-französischen Akteure zu verankern!!“
Dr. Florian Drücke, Ko-Präsident des DFKR
Zudem hat der Kulturrat sich vorgenommen, sein 40-jähriges Jubiläum im Jahr 2028 im Rahmen einer inhaltlich ausgerichteten Veranstaltung zu zelebrieren. Sie soll Gelegenheit bieten, Bilanz zu ziehen und die deutsch-französische kulturelle Zusammenarbeit im Dienste Europas neu zu positionieren.
Darüber hinaus kündigte der DFKR ein Seminar zum Thema „KI und Musikindustrie“ an, das am 4. November 2026 als gemeinsame Veranstaltung mit dem Institut Français und der französischen Botschaft in Berlin stattfindet.